Stress zeigt sich bei vielen Menschen körperlich und mental: Herzrasen, innere Unruhe, Schlafprobleme oder das Gefühl, ständig „auf Abruf“ zu sein. Unser Nervensystem reagiert in solchen Momenten wie in einem Alarmzustand – und manchmal reicht schon eine Kleinigkeit, um die Situation eskalieren zu lassen.
Genau hier setzt Nervensystemarbeit an: Du lernst, die Signale deines Körpers früh zu erkennen und gezielt zu beruhigen, bevor Stress und Alarmbereitschaft dein Leben dominieren.
Warum das Nervensystem überreagiert
Unser Nervensystem ist evolutionär darauf programmiert, auf Gefahr schnell zu reagieren. Doch in der heutigen Zeit reagieren wir oft auf psychischen Stress so stark wie auf echte Gefahr:
- Gedankenrasen
- Herzklopfen
- Muskelverspannungen
- Gereiztheit oder Überforderung
Wenn dieser Zustand lange anhält, erschöpft das dein Nervensystem und kann zu Angst, Panik oder Burnout führen.
Praktische Strategien zur Beruhigung
Hier sind konkrete Übungen, die du direkt im Alltag einsetzen kannst:
- 5-Minuten-Atemübung
- Setze dich bequem hin, lege eine Hand auf den Bauch
- Atme 4 Sekunden ein → 6 Sekunden aus
- Wiederhole 10–15 Mal
- Wirkung: aktiviert das parasympathische Nervensystem, senkt Herzfrequenz und Anspannung
- Körperwahrnehmung / Progressive Entspannung
- Schultern hochziehen → halten → locker lassen
- Hände ballen → locker lassen
- Kurz im Körper spüren, wo Spannung sitzt → bewusst lösen
- Mini-Rituale im Alltag
- 2–3 tiefe Atemzüge vor dem Einkaufen oder vor Meetings
- Kurzer Spaziergang, um das Nervensystem zu resetten
- Warmes Getränk bewusst genießen
- Visualisierung / Anker
- Stelle dir einen sicheren Ort vor, an dem du Ruhe fühlst
- Fokus auf Sinneseindrücke: sehen, hören, fühlen
- Kann 1–2 Minuten dauern, beruhigt sofort
EMDR & Stressreaktionen
Wenn Stress besonders stark ist, können therapeutische Methoden wie EMDR helfen:
- EMDR unterstützt, überlastende Erinnerungen oder intensive Alarmreaktionen zu verarbeiten
- Für akute Stressmomente kannst du sanfte Selbsthilfetechniken aus EMDR nutzen, z. B. leichte Augenbewegungen kombiniert mit tiefem Atem
- Ziel: das Nervensystem lernt, Alarmzustände schneller zu regulieren
Fazit / Takeaways
- Stress ist ein Signal deines Nervensystems – nicht deine Schwäche
- Frühe Erkennung von Alarmreaktionen hilft, langfristige Überlastung zu vermeiden
- Kleine, gezielte Übungen können dein Nervensystem schrittweise beruhigen
- Kombiniere Atem, Körperwahrnehmung und Mini-Rituale → spürbare Entspannung im Alltag
