Wie ich gelernt habe, mein Nervensystem zu beruhigen
Kennst du das Gefühl, dass alles um dich herum zu viel wird? Dass dein Herz rast, deine Gedanken kreisen und selbst kleine Aufgaben wie Einkaufen oder Hausarbeit dich überwältigen? So ging es mir vor ein paar Jahren. Mein Nervensystem war ständig auf Alarmbereitschaft – und ich wusste nicht, wie ich mir selbst helfen sollte.
Heute weiß ich: Es ist möglich, Schritt für Schritt wieder Ruhe, Klarheit und innere Sicherheit zu finden. In diesem Artikel möchte ich meine persönliche Reise teilen und dir zeigen, welche Methoden mir geholfen haben, mein Nervensystem zu beruhigen – und wie du sie in deinen Alltag integrieren kannst.
Meine anfängliche Überforderung
Als Mama von zwei Kindern war jeder Tag ein Balanceakt. Ich konnte kaum zur Ruhe kommen, selbst einfache Tätigkeiten fühlten sich anstrengend und stressig an. Ich erinnere mich an Tage, an denen ich nicht einmal in den Supermarkt gehen wollte, weil ich dachte: „Ich werde es nicht aushalten, ich kippe um.“
Mein Körper reagierte mit Herzrasen, Muskelverspannungen und Schlafproblemen. Mein Kopf war voller Gedanken, die sich ständig wiederholten – ein echtes Gedankenkreisen. Ich fühlte mich ausgeliefert und überfordert.
Der Wendepunkt: Das Nervensystem verstehen
Erst als ich begann, mich mit meinem Nervensystem auseinanderzusetzen, begann sich etwas zu verändern. Ich lernte, dass mein Körper Signale sendet, die ich ernst nehmen muss, statt sie zu unterdrücken. Nervensystemarbeit bedeutet, diese Signale wahrzunehmen und zu lernen, sie Schritt für Schritt zu regulieren.
Ich entdeckte Methoden, die sofort helfen, und Routinen, die mein Nervensystem langfristig stabilisieren.
Praktische Übungen, die mir halfen
- Atemübungen für Ruhe im Alltag
- 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen
- 5–10 Wiederholungen, besonders in akuten Stressmomenten
- Wirkung: Herzschlag beruhigt sich, Gedanken kommen zur Ruhe
- Bodyscan & Körperwahrnehmung
- Vom Kopf bis zu den Füßen jede Körperregion bewusst wahrnehmen
- Verspannungen lokalisieren und bewusst lösen
- Hilft, Alarmzustände früh zu erkennen
- Mini-Routinen
- 2–3 bewusste Atemzüge vor Alltagssituationen (Einkaufen, Meetings)
- Kurze Spaziergänge, Tee trinken bewusst genießen
- Kleine Pausen geben dem Nervensystem Zeit, sich zu regulieren
- Visualisierung eines sicheren Ortes
- 1–2 Minuten vorstellen: Ruhe, Wärme, Sicherheit
- Wirkung: Sofortige mentale Entlastung
- Sanfte EMDR-Techniken (Selbsthilfe)
- Augenbewegungen oder leichtes Tapping in Kombination mit Atemübungen
- Ziel: das Nervensystem lernt, Alarmzustände schneller zu senken
Meine Erfahrung: Kleine Schritte, große Wirkung
Es ist nicht so, dass alles sofort perfekt lief. Aber schrittweise merkte ich Veränderungen: Ich konnte wieder einkaufen gehen, ohne dass mein Herz raste. Meine Gedanken hörten auf, sich ständig zu wiederholen, und ich spürte, dass ich mein Nervensystem selbst regulieren konnte.
Wichtig ist: Kleine, regelmäßige Übungen wirken oft nachhaltiger als große, sporadische Versuche. Dein Körper und Geist brauchen Training – genau wie ein Muskel.
Fazit / Takeaways
- Überforderung, innere Unruhe und Gedankenkreise sind Signale deines Nervensystems, keine Schwäche
- Mit einfachen, regelmäßigen Übungen kannst du Schritt für Schritt mehr Ruhe und Kontrolle gewinnen
- Atemübungen, Bodyscan, Mini-Routinen und Visualisierung wirken schon nach wenigen Minuten
- Selbsthilfe-EMDR-Techniken ergänzen die Methoden bei akuten Alarmzuständen
Dein Nervensystem kann lernen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen – es braucht nur ein bisschen Geduld, Verständnis und die richtigen Werkzeuge.
